Rezension:
John Green - Schlaft gut, ihr fiesen Gedanken

05 Januar 2018 |



Original: Turtles All the Way Down
10.11.17 | 288 Seiten | Hanser Autor | Leseprobe Kaufen 

Die 16-jährige Aza Holmes hatte ganz sicher nicht vor, sich an der Suche nach dem verschwundenen Milliardär Russell Pickett zu beteiligen. Sie hat genug mit ihren eigenen Sorgen und Ängsten zu kämpfen, die ihre Gedankenwelt zwanghaft beherrschen. Doch als eine Hunderttausend-Dollar-Belohnung auf dem Spiel steht und ihre furchtlose beste Freundin Daisy es kaum erwarten kann, das Geheimnis um Pickett aufzuklären, macht Aza mit. Sie versucht Mut zu beweisen und überwindet durch Daisy nicht nur kleine Hindernisse, sondern auch große Gegensätze, die sie von anderen Menschen trennen. Für Aza wird es ein großes Abenteuer und eine Reise ins Zentrum ihrer Gedankenspirale, der sie zu entkommen versucht.




»Du hältst dich für den Künstler, aber du bist die Leinwand.«
Zitat aus: "Schlaft gut, ihr fiesen Gedanken"



Meine Meinung:

Charaktere
Aza hat große Probleme, denn sie wittert bei fast jeder Aktivität sich mit irgendetwas anstecken zu können. Ihre Angst krank zu werden ist so groß, dass sie sich zunehmend seltsam verhält und außerdem eine Therapie besucht. Aza weiß selbst, dass sie "anders" ist. Sie kämpft stellenweise gegen ihre Zwangshandlungen an, ist aber zum größten Teil machtlos gegen sie.
Daisy ist Azas beste Freundin und akzeptiert sie so, wie sie ist. Mit all ihren Macken und Störungen. Daisy selbst ist ebenfalls nicht perfekt. Sie hat Ecken und Kanten und ihre Welt ist nicht rosarot. Daisy versucht allerdings das Beste aus ihrer Situation zu machen.
Davis kennt Aza von früher und freut sich sehr, sie wiederzusehen. Er ist es leid, ewig nur der Sohn des Milliadärs zu sein, was er in einem Blog zum Ausdruck bringt. Davis ist sehr feinfühlig und ein Junge zum Pferde stehlen. 

»In die Augen kann man jedem sehen. Aber jemanden zu finden, der dieselbe Welt sieht, ist ziemlich selten.«
Zitat aus: "Schlaft gut, ihr fiesen Gedanken"

Gesamt
John Green steht für eine poetische Schreibweise und er erschafft Figuren, die allesamt besonders sind. So habe ich es bisher erlebt und so habe ich es dieses Mal natürlich auch erwartet. Den gewohnt poetischen Schreibstil habe ich auf der Stelle geliefert bekommen, doch um die Besonderheit Azas zu sehen und zu verstehen, hat es eine Weile gebraucht.
Das Buch begann für mich mit angezogener Handbremse. Green beschreibt seine Protagonistin, zeigt dem Leser ihre Gedanken und schildert die innere Gedankenspirale, mit der Aza Tag für Tag zutun hat. Was im Kopf der Protagonistin passiert, ist wirr, manchmal absolut nicht nachvollziehbar und stellenweise auch total drüber. Jedenfalls empfindet man dies, wenn man die einzelnen ersten Seiten hinter sich lässt. Es fiel mir sehr schwer, Aza zu verstehen, einen Bezug zu ihr und gleichzeitig einen Bezug zu ihrer Geschichte zu finden. Im Laufe der Zeit lässt dieses Chaos allerdings zum Glück nach. Ich verstand die Protagonistin nun besser, konnte mit ihr mitleiden und mich besser mit ihr identifizieren. Gleichzeitig fand ich auch endlich meinen Platz in "Schlaft gut, ihr fiesen Gedanken", den ich bis zum Ende hin auch nicht mehr verlassen habe.
Neben Aza spielt Daisy eine sehr wichtige Rolle. Sie ist ihre beste Freundin und die Einzige, die sich mit ihr so richtig versteht und Zeit mit ihr verbringt. Dass Daisy Aza versteht wage ich zu bezweifeln, allerdings ist dies auch überhaupt nicht wichtig. Das Wichtige ist zweifellos der Umgang, den die beiden miteinander pflegen. Wie sie miteinander in den verschiedenen Situationen agieren. Daisy sagt ihrer Freundin auch mal die Meinung, wie man es in einer solchen Beziehung eben ohne Umschweife machen kann. Sie nimmt keinen Blatt vor den  Mund. Ansonsten ist sie eher ein bisschen unsichtbar.

»Das wahre Grauen ist nicht, Angst zu haben; es ist, keine andere Wahl zu haben.«
Zitat aus: "Schlaft gut, ihr fiesen Gedanken"

So richtig erfährt man bis zu einer bestimmten Stelle nichts von dem Mädchen, was es für mich umso interessanter gemacht hat, ihre Szenen zu verfolgen. Ich wollte wissen, mit wem Aza ihre Zeit verbringt. Ich wollte hinter die Fassade schauen können und nicht nur die Oberfläche betrachten. Gerade die Szene, in der man  mehr über Daisy erfährt ist eine der Stärksten, wie ich finde. Sie ist stark, ehrlich, direkt und lässt einen ein bisschen fassungslos zurück.
Allgemein beschreibt John Green schonungslos, was die einzelnen Zwangshandlungen und Neurosen mit Aza veranstalten und gibt den Leser so einen tiefen Einblick in die Materie. Gerade weil die Protagonistin alles in der Ich-Form schildert, bekommt man als Leser so die volle Wucht ihrer Krankheit zu spüren. Es hat mich total interessiert mehr darüber zu lesen und Aza besser kennenzulernen.
Die Suche nach dem Vater von Davis gerät ein bisschen in den Hintergrund. Zwar begleitet uns dieser rote Faden das gesamte Buch über, wird auf der ein oder anderen Seite allerdings immer ein bisschen heller, bis er irgendwann ganz verschwindet. Dies ist allerdings überhaupt nicht schlimm, denn die Begegnung mit Davis ist meines Erachtens sowieso viel interessanter und relevanter, als die Suche an sich. Während sich die beiden annäherten, hatte ich selbst Schmetterlinge im Bauch, weil das alles so echt und greifbar erschien. Es fühlte sich niemals aufgesetzt oder irgendwie an den Haaren herbeigezogen an, sondern hat mich komplett überzeugen können. Davis ist ein ganz besonderer Junge, der viel mehr in Aza sieht, als sie selbst und ihr dies auch glaubhaft rüberbringen kann.
Es hat mich berührt zu lesen, wie sich die Protagonistin immer mehr öffnet und versucht Davis zu vertrauen. Ob ihr dies gelingt, werde ich an dieser Stelle aber natürlich nicht verraten.


In Kürze:

Positiv
Der Schreibstil ist super.
Es klingt sehr poetisch.
Aza ist skurril, aber total liebenswert.
Man kann sich nach einer Zeit mit den Protagonisten sehr gut identifizieren.
Aza ist die Ich-Erzählerin.
Spannend und mitreißend.
Viele, tolle Zitate.
Regt zum Nachdenken an.
Emotional.

Negativ 
Ich brauchte eine Weile um meinen Platz in der Geschichte zu finden.


Fazit:

"Schlaft gut, ihr fiesen Gedanken" besticht durch eine skurrile, aber liebenswerte Protagonistin, die man von Seite zu Seite immer mehr versteht. Auf 288 Seiten geht es um Liebe, Freundschaft, aber vorwiegend darum, wie man mit einer Krankheit lebt, die einem den Alltag um so vieles erschwert. Einzig der etwas holprige Start, lässt mich bei diesem sonst so überaus gelungenem Werk einen Punkt abziehen. Für mich ist dieser Roman etwas Besonderes.




Weitere Rezensionen:





Habt einen wundervollen Tag, ihr Lieben. ♥


8 Zitate

  1. Huhu,

    ich habe bisher so viel gutes über dieses Buch gehört das ich es auch bald lesen mag. :) Der holbrige Start kann aber bei so viel Positiven Punkten wohl verziehen werden. Walter Moers schafft das auch immer gerne XD Da muss man sich durch die ersten 50 etwas quälen und dann haut er einen um ♥

    Tintengrüße von der Ruby

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    1. Genau, liebe Ruby: Der holprige Start kann wirklich verziehen werden. Alles in allem ist das Buch nämlich wirklich etwas Besonderes. ♥
      Von Walter Moers habe ich hier noch ein Buch liegen, aber es noch nicht gelesen. Gut zu wissen, dass es bei ihm wohl auch immer ein bisschen dauert. ;)
      Alles Liebe
      Kitty ♥

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  2. Hi Kitty,
    Ich habe das Buch noch nicht gelesen, habe es aber auf jeden Fall vor. Sein Schreibstil ist wirklich einzigartig.
    Ganz liebe Grüße
    Nadine - misshappyreading.blogspot.de

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    1. Der Schreibstil ist echt einzigartig. Irgendwie sogar ein bisschen poetisch, wie ich finde. Es macht auf jeden Fall Spaß die Seiten zu verschlingen. :)
      Alles Liebe
      Kitty ♥

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  3. Hi!
    Das Buch war mein letztes im Jahr 2017 gewesen und ich war hin und weg. Aza ist eine tolle Protagonistin und ich musste auch paar Tränen verdrücken. Aber ich bin eh nah am Wasser gebaut. :D

    Viele liebe Grüße
    Ani

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    1. *lach* Ich bin auch sehr nah am Wasser gebaut, liebe Ani und weiß daher genau was du meinst. ;) Aza ist wirklich toll, allerdings hat diese Erkenntnis ein bisschen gedauert. Bist du gleich in die Geschichte reingekommen? Hast du Aza gleich ins Herz geschlossen, oder hast du auch erst einen Moment gebraucht?
      Alles Liebe
      Kitty ♥

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  4. Hallo Kitty,

    hui, deine Rezension hat mich jetzt gerade überzeugt, dass ich dieses Buch lesen möchte und auch die letzten Zweifel in mir zum Schweigen gebracht. Danke dafür. :D

    Liebe Grüße,
    Dana

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    1. Ich freue mich total, dass ich dir bei deiner Entscheidung helfen konnte, liebe Dana. :) Ganz viel Spaß mit der Geschichte. :)
      Alles Liebe
      Kitty

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Hi! :)
Schön das du hier gelandet bist! Ich bin für Lob und Kritik sehr dankbar und freue mich über jeden einzelnen Kommentar.
Meine Antwort findest du gleich unter deinem Eintrag.

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Vielen Dank, dass du bei mir warst. Ich hoffe, wir sehen uns wieder. :)